Kubitaltunnelsyndrom, früher: Sulcus-ulnaris-Syndrom/ Ellenrinnensyndrom

Der Ellennerv, der sog. Nervus ulnaris, zieht im Bereich des Ellenbogengelenkes zur Streckseite des innenseitigen Oberarmknorrens (= „Epicondylus medialis humeri“) im Volksmund auch „Musikantenknochen“ genannt und durchläuft dort eine Knochenrinne, die als „Sulcus ulnaris“ (= Ellenrinne) bezeichnet wird. Das Dach dieser Rinne wird körpernah von straffen Bindegewebsfasern und körperfern von den bogenartigen Sehnenanteilen des ellenseitigen Handgelenksbeugers (= „M. flexor carpi ulnaris“) ausgebildet. Kommt es innerhalb dieser Ellenrinne zu einer Einengung des Ellennervs, so wird dies als „Sulcus-ulnaris-Syndrom“ bezeichnet. Heute werden Kompressiossyndrome des Ellennerven vom peripheren Oberarm über das Ellenbogengelenk hinweg bis etwa zur Unterarmmitte unter dem Oberbegriff „Kubitaltunnelsyndrom“ zusammengefasst.

Als Ursachen kommen infrage:
• Veränderungen nach Knochenbrüchen,
• unfallbedingte Quetschungen des Nervs im Kubitaltunnel,
• degenerative Prozesse im Ellenbogengelenk wie z. B. Gelenkverschleiß, chronische Polyarthritis oder Gicht,
• Tumore (z.B. Ganglien, Lipome) und
• anatomische Varianten im Kubitaltunnel.

Die Zeichen und Symptome des Kubitaltunnelsyndroms
Folgende Symptome können für das Vorliegen eines Kubitaltunnelsyndroms sprechen:• Gefühlsstörungen des Ring- und Kleinfingers sowie des ellenseitigen Handrückens,• Vom Ellenbogen ausgehende und bis in die ellenseitige Hand ausstrahlende Schmerzen häufig krampfartigen Charakters,• Kraftminderung des Spitz- und Präzisionsgriffs, Ungeschicklichkeit beim Schreiben, Kraftlosigkeit beim Faustschluss und Fingerspreizen,• Krallenstellung des Ring- und Kleinfingers,• Verlust des Muskelwulstes des Kleinfingerballens,• Elektrisieren des Ring- und Kleinfingers bei Beklopfen des Ellennervs im Kubitaltunnel,• Auslösen von Gefühlsstörungen innerhalb von 30 Sekunden bei gebeugtem Ellenbogengelenk,• Beugung des Daumenendgelenkes beim Versuch, ein Blatt Papier zwischen Daumenendgelenk und Zeigefingergrundglied fest einzuklemmen (= positives „Froment-Zeichen“)

Diagnostik
Eine neurologische Untersuchungen des Ellennervs ist vor Durchführung einer Operation unerlässlich. Sie können im Anfangsstadium oder bei Verwachsungen des Nervs ohne Einengung noch normal ausfallen und sollten daher regelmäßig wiederholt werden. Ferner sollten Sie sich in unserer Sprechstunde untersuchen und beraten lassen.

Die Operationstechnik
Ziel der Operationstechnik ist die Druckentlastung des Ellennervs in der Ellenbogengelenksregion, dem langstreckigen, sogenannten Kubitaltunnel.
Wir bieten sowohl die offene, als auch die endoskopisch-assistierte minimalinvasive Methode an. Alle Eingriff werden stets in Oberarmblutleere und mit Lupenbrillenvergrößerung durchgeführt, um eine optimale Sicht und ein bestmögliches Ergebnis zu gewährleisten. Zur Vermeidung einer Nachblutung kann eine Drainage eingelegt werden. Die Wundheilung beträgt etwa zwei Wochen.

Bei der endoskopisch assistierten Methode wird ein ca. 2cm langer Hautschnitt angelegt, der Nerv wird langstreckig sowohl Richtung Unterarm, wie auch Richtung Oberarm auf einer Länge von jeweils 15cm von Verwachsungen/Einengungen gelöst und entlastet, wobei eine sehr gute Darstellung des Nerven möglich ist. Eine Verlagerung des Nerven wird hierbei in der Regel nicht durchgeführt und auf eine Ruhigstellung auf einer Schiene kann anschließend üblicherweise verzichtet werden, wenn die Patienten beachten, das Ellenbogengelenk über einen Zeitraum von 3 Wochen nicht über 90 Grad anzubeugen. Zur „Erinnerung“ hieran hilft die Anlage eines Watteverbandes in Streckstellung des Ellenbogengelenks. Bei dieser Methode ist das Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit verkürzt.

Bei der konventionellen („offenen“) Methode wird das Dach des Sulcus ulnaris einschließlich des Sehnenspiegels des ellenseitigen Handgelenksbeugers gespalten. Ob der Nerv anschließend auf die Beugeseite verlagert werden muss, um eine Subluxation, d. h. ein für die Patienten unangenehmes „Herausspringen“ des Nerven aus seiner Rinne zu verhindern, muss während der Operation entschieden werden. Auch bei der konventionellen Methode kann der Nerv oft an Ort und Stelle verbleiben, was für dessen Regeneration und Funktion günstiger erscheint. Im Anschluss nach einer etwaigen ca. 3-wöchigen Ruhigstellung auf einer Oberarmschiene kann mit physiotherapeutischen Übungen begonnen werden. Wichtig ist die konsequente Hochlagerung des betroffenen Armes zur Vermeidung oder Reduktion einer Schwellung. Die Hautfäden werden etwa 14 Tage nach der Operation entfernt.

Risiken und Komplikationen
Mögliche Risiken bzw. Komplikationen einer solchen Operation sind abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Diese können sich z. B. Verbleiben von Gefühlsstörungen, wenn der Nerv schon sehr geschädigt war. Zur Vermeidung vom Verbleib eines dauerhaften Taubheitsgefühls sollten Sie sich also frühzeitig operieren lassen.

Wann sollte operiert werden?
Bei erheblichen Schmerzen, permanenten Sensibilitätsstörungen oder geringsten Zeichen einer motorischen Beteiligung (Bewegungs- oder Koordinationsstörung der Finger und Kraftverlust) auch bei elektrophysiologischem Normalbefund, sollte operiert werden. Bei geringer Symptomatik, nur sporadisch auftretenden Sensibilitätsstörungen und Fehlen motorischer Störungen kann zunächst eine konservative Therapie mit z.B. nächtlicher Schienung in Streckstellung des Ellenbogengelenks erfolgen.