Pronator-teres-Syndrom

Unterhalb der Ellenbeuge verläuft der Mittelnerv vom ellenseitigen Rand des Bizepsmuskels kommend zwischen den beiden Köpfen des M. pronator teres (= „runder Einwärtsdreher“, Muskel, der den Unterarm einwärts dreht) und gibt hier den kräftigen N. interosseus anterior ab.

Zahlreiche anatomische Variationen im Bereich der Kreuzungsstelle des Mittelnervs mit dem M. pronator teres werden beschrieben. Als auslösende Faktoren kommen infrage:

  • Vernarbungen nach Entzündungen, Verbrennungen und Quetschungen,
  • anatomische Variationen mit atypischen Muskelansätzen, intramuskulär ausgebildeten Sehnenspiegeln oder einer muskulären Verdickung (Hypertrophie) eines Teiles des  M. pronator teres aufgrund einseitiger Belastung.

Die Zeichen und Symptome des Pronator-teres-Syndroms

  • Gefühlsstörungen bis Taubheitsgefühle im Bereich der durch den Mittelnerv versorgten Finger (Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und daumenseitige Hälfte des Ringfingers) in Ruhe oder bei Belastung (z.B. Auto- und Fahrradfahren, längeres Telefonieren),               
  • Zurückbildung der Daumenballenmuskulatur im Vergleich zur gesunden Gegenseite (die Muskulatur des Daumens wird nämlich auch teilweise vom Mittelnerv versorgt),
  • Elektrisieren des Daumens, Zeige-, Mittel- und Ringfingers bei Beklopfen des Mittelnervs oberhalb der Handgelenk-Beugefalte,
  • Auftreten von Schmerzen und Gefühlsstörungen nach einigen Sekunden bei maximaler Beugung im Handgelenk, (positiver Phalen-Test)
  • Schmerzen im Bereich von Handwurzel und Unterarm,

Diagnostik

Eine elektrophysiologische Untersuchung durch einen Neurologen ergibt meist eine Leitungsverzögerung des Nervus medianus (Mittelnerv) oberhalb des Handgelenkes       

Die Operationstechnik

Der als Lacertus fibrosus (= „sehniger Muskelursprung“) bezeichnete Teil der Bizepsaponeurose wird durchtrennt und der Mittelnerv dargestellt. Dieser Eingriff wird stets in Oberarmblutleere und mit Lupenbrillenvergrößerung durchgeführt, um eine optimale Sicht und das bestmögliche Ergebnis zu gewährleisten. Zur Vermeidung einer Nachblutung wird eine Drainage eingelegt. Die Wundheilung beträgt etwa zwei Wochen. Im Anschluss einer ca. 3-wöchigen Ruhigstellung auf einer Oberarm-Gipsschiene (Cast) kann mit krangengymnastischen Übungen begonnen werden. Wichtig ist die konsequente Hochlagerung des betroffenen Armes zur Vermeidung oder Reduktion einer Schwellung. Die Hautfäden werden etwa 14 Tage nach der Operation entfernt.

Risiken und Komplikationen

Mögliche Risiken bzw. Komplikationen einer solchen Operation sind abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Diese können sich z. B. vertreibe von Gefühlsstörungen, wenn der Nerv schon sehr geschädigt war oder Funktionsausfälle oder in einer Narbenverdickung äußern. Zur Vermeidung vom Verbleib eines dauerhaften Taubheitsgefühls sollten Sie sich also frühzeitig operieren lassen.

Wann sollte operiert werden?

Wenn die konservativen Maßnahmen, d. h. die nicht-operativen Maßnahmen ausgeschöpft sind, oder bereits eine deutlich nachgewiesene Störung des Nervens vorliegt, sollte operiert werden. Dann besteht die Indikation zur schnellstmöglichen Operation mit Druckentlastung des Nervens.