Nach der Operation

In den ersten Wochen nach der Adipositasoperation wird der Gewichtsverlust rapide sein und alles für Sie bisher bekannte in den Schatten stellen. Sie werden nur winzige Portionen essen können und der Körper bezieht den größten Teil der Energie, die er verbraucht, aus dem Abbau des Speicherfetts, wie Sie wöchentlich mit Hilfe der Waage feststellen können. Dabei verspüren Sie selbst kein Hungergefühl.

Diese Situation birgt aber auch einige Probleme. Das erste besteht in der Eiweißzufuhr. Der Körper braucht zu seinem Bestehen grundsätzlich täglich Eiweiß, weil er daraus die lebenswichtigen Funktionseiweiße, die im Stoffwechsel notwendigen Enzyme bildet. Die Zufuhr kann für einige Tage – zum Beispiel nach einer Operation -  unterbleiben, generell aber ist die Eiweißzufuhr unabdingbar. Reicht sie nicht aus, dann baut der Körper Muskulatur ab, um die darin enthaltenen Bausteine für die Herstellung der wichtigen Funktionseiweiße zu verwenden – ein unerwünschter Effekt.

Gleichzeitig führt die Tatsache, dass nur sehr geringe Nahrungsportionen aufgenommen werden können, dazu, dass es zu Mangelzuständen an Vitaminen und anderen wichtigen Stoffen, wie vor allem Calcium, Eisen, Zink und Selen. Manche Patienten berichten, sich wohler zu fühlen, wenn sie auch Magnesium ergänzen. Die notwendigen Substanzen und Dosierungen können Sie der Tabelle unter dem Stichwort "postoperative Substitution" entnehmen.

Diese Effekte sind bei allen Operationen, bei denen ein Stück Darm aus der Passage ausgeschaltet wird, also bei Magenbypass und beim sogenannten SADI (Single Anastomosis Duodeno-Ileal Bypass) stärker als bei der Schlauchmagenbildung, bei der die gesamte Darmlänge weiterhin zur Verfügung steht.

Unmittelbar nach der Operation kann der Patient keine großen Tabletten schlucken. Statt dessen empfehlen wir, in den ersten 4 Wochen nach der Operation die Vitamine in Form von Tropfen einzunehmen. Danach kann dann auf Tabletten gewechselt werden und die anderen Stoffe, wie Eisen und Calcium können ergänzt werden.

Weil der korrekte Umgang mit diesen Substanzen für Ihre Gesundheit von so weitreichender Bedeutung ist, kontrollieren wir die Spiegel im Blut 6 und 12 Monate nach der Operation und dann jährlich. Daher ist es wichtig, dass  Sie die vorgesehenen Nachsorgetermine tatsächlich wahrnehmen.

Die meisten Medikamente, die Sie vor der Operation eingenommen haben, können auch postoperativ nach spätestens 14 Tagen zugeführt werden. Allerdings werden insbesondere Mittel gegen den Diabetes, den Bluthochdruck, den erhöhten Harnsäurespiegel und Wassertabletten durch den Gewichtsverlust teilweise oder ganz überflüssig. Darauf weisen wir Sie während des stationären Aufenthaltes hin. Sollte die Zufuhr bestimmter Medikamente in ganz besonders engen Bereichen kontrollbedürftig sein, wie beispielsweise bei Mitteln gegen Epilepsie, kann man die Einstellung durch Messen der Blutspiegel mit der notwendigen Exaktheit vornehmen.